Dienstag, 20. Januar 2026

Botschafterin ehrt Zweierpasch für deutsch-französische Kulturarbeit

Botschafterin Heike Thiele (Mitte) ehrt Zweierpasch - Till (links), Felix (rechts), Kata (ganz rechts) sowie Konsulats-Mitarbeiterin Regine Rhein [©Panoramique_Pix]

Für ihre langjährigen Verdienste als Musiker und Kulturakteure sind die Zwillinge Felix und Till Neumann am 16.01.26 von der deutschen Botschaft in Straßburg mit dem deutsch-französischen Freundschaftspreis geehrt worden. Nach einer Laudatio von Konsul Thomas Kern zeichnete Botschafterin Heike Thiele die musikalischen Grenzgänger aus Freiburg und Straßburg in Anwesenheit ihrer Band, Familien und geladenen Ehrengästen mit Urkunden und Ehrennadeln aus. Das Duo spielte dazu mit ihrem Trompeter Cristian Kata Carrasco die drei Songs Lichtung, Rheinperlen und Nix Gelernt, letzterer wurde einen Tag zuvor veröffentlicht.

Deutsch-französischer Freundschaftspreis 2026

Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung im Salle Voltaire der deutschen Botschaft Straßburg überreichten die Zwillingsmusiker der Botschafterin ihre "Flaschenpost an den Rhein". Darin zu finden sind 20 Forderungen zu mehr Miteinander im Grenzgebiet und Frieden in Europa. Die Flaschenpost entstand beim Event "Beats on the Boat", das im Sommer 2025 in Straßburg von Zweierpasch auf die Beine gestellt wurde. Das nächtliche Bootsevent brachte Künstler:innen und Bürger:innen aus beiden Ländern zusammen. Neben Livemusik und Tanzperformances wurden dabei auch Forderungen gesammelt. Exemplarisch lasen Felix und Till Neumann jeweils eine Botschaft vor - einmal auf Deutsch, einmal auf Französich. 

"Die Botschaften und Forderungen nehme ich mit Spannung zur Kenntnis und mit zur nächsten Sitzung auf europäischer Ebene", betonte Heike Thiele vor versammeltem Publikum. Eine zweite Version der Flaschenpost mit den selben Statements wird in den kommenden Tagen dem Rhein übergeben, so die beiden Brüder in ihrer zweisprachigen Dankesrede.

Zweierpasch mit Botschafterin Thiele, Band und XL Team
Wie aus der Laudatio von Konsul Thomas Kern zu entnehmen wurden die Zwillingsbrüder in Straßburg für ihre mehrsprachige Musik und grenzüberschreitenden Kulturprojekte ausgezeichnet. Sie erreichen und inspirieren jährlich viele Tausend Menschen. Der Konsul konnte sich davon beim Finale der jährlichen Ecole du Flow Mai 2025 in Nancy ein Bild machen und erlebte live Gänsehautmomente. "Beindruckend, da merkt man was hier bewegt wird", äußerte er sich.

Mit ihrer Band spielen die Zwillinge zahlreiche Konzerte in europäischen Ländern und darüber hinaus. Mit Formaten wie den Unique Live Sessions oder HipHop macht Schule setzen sie innovative Ausrufezeichen, bringen Kunst, Kultur und Sprache jungen Menschen näher und realisieren Audio- und Videoproduktionen an spektakulären Spots in Frankreich und Deutschland.

Mit "Nix Gelernt" hat die Band vor wenigen Tagen einen Song gegen Rechtsextremismus in Deutschland veröffentlicht. Damit blicken sie zurück in die finstersten Momente deutscher Geschichte. Und sagen: Trotzdem haben wir nix gelernt. Heute sitzen die "braunen Schafe" im Bundestag "und meckern los". 

"Alles brennt nieder am 9. November", heißt es in den ersten Zeilen. Und im Refrain: "Wir haben Bücher, Filme, das Netz / wir haben Fotos, historische Cracks, sogar noch Omas und Opas mit Herz / doch aus der finsteren Vergangenheit nix gelernt". 

Die Zwillinge schlagen mit ihrer Piano Ballade vom Producer "Rebbel" ruhige Töne zu einem schweren Thema an. "Die Entwicklungen in Deutschland machen uns große Sorgen", so die umtriebigen Musiker aus Freiburg und Straßburg. Gemeinsam mit dem Berliner Producer Yoni Cyrus haben sie das Stück arrangiert: eine schwere Melodie zwischen Chor und Streicherensemble. Flankiert von Ausschnitten des Comedians Teddy Teclebrhan: "Was labersch du?" fragt er in seinem Integrationstest.


Das dazugehörige Video zeigt in eindrücklichen Bildern Szenen eines Brandanschlags, Bilder eines Konzentrationslagers und Szenen mit den beiden Protagonisten auf einem verschneiten Vogesengipfel in Frankreich. Die Rapper tauchen in dem von Panoramique_Pix produzierten Clip nur schemenhaft auf. Funkenflug und Flammen durchziehen die Bilder, die im letzten Teil an die Bücherverbrennung im Dritten Reich erinnern. Und Assoziationen wecken an einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingswohnheim. Mit der Zeile "Aus Krisenherden kommen Menschen und stellen Anträge / kriegen erst Asyl, dann Brandanschläge" beschreiben sie dieses Szenario.

Für 2026 planen die umtriebigen Grenzgänger eine erneute Tournee auf der Vulkaninsel La Réunion, 30 Konzerte in Frankreich und Deutschland, die Fortsetzung von Beats on the Boat, das Finale der Ecole du Flow VII, das Release der EP "Two To Tango" sowie ein Filmprojekt in den Vogesen in der Serie Unique Live Sessions.  Bereits am 22. Januar erscheint mit Big Thing die nächste Single der Band.

Zum Zweierpasch-Team gehören unter anderem Gitarrist Stefan Harth, Drummer Max Büttner, Trompeter Kata Carrasco, die Tänzer:innen Redouane Saadi, Nicole Wechlin und Kateryna Liednova, die Tontechniker Heiko Borsch und Lukas Pferrer sowie die Bookingagentur Black Forest Voodoo. 

Neben Zweierpasch wurden zwei weitere Personen ausgezeichnet: Maxime Fischer (Gemeinsames Zentrum der deutsch-französischen Polizei- und Zollzusammenarbeit Kehl) und Regine Rhein (langjährige Konsulatsmitarbeiterin). Der Preis wird seit 2008 verliehen. Er besteht aus einer Urkunde und einer silbernen Anstecknadel.


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