Mittwoch, 17. März 2021

"Mehrsprachigkeit ist Pflicht": Zweierpasch unterstützen Initiativen für mehr Deutsch und Französisch

"Mehrsprachigkeit ist Standard", sagen Till und Felix von Zweierpasch | Foto: © Stephan Ritter, Panoramique_Pix

Was tun gegen
das sinkende Interesse an Deutsch und Französisch auf beiden Rheinseiten? Gleich zwei Initiativen machen sich dafür parallel stark in Deutschland und Frankreich. Die World-HipHop-Band Zweierpasch unterstützt diese - nicht nur mit eigenen Songs. Die Zwillinge und Rappoeten Till und Felix Neumann sagen: Wer den Mehrwert von Mehrsprachigkeit nicht erkennt, lebt auf einem anderen Planeten.

Post für den Präsidenten

"Pour la diversité des langues" heißt eine Petition, die derzeit die Runde macht. Adressiert an Emmanuel Macron, Präsident der Republik Frankreich und Jean-Michel Blanquer, den französischen Bildungsminister. Die Initiator:innen kämpfen dafür, dass der Deutschunterricht an französischen Schulen intensiver gefördert wird. Denn, so die Aktivist:innen: Weniger als fünf Prozent der Schüler:innen lernen in einigen Teilen Frankreichs noch Deutsch. In manchen ländlichen Gegenden sei es sogar unmöglich geworden, Deutsch als Fach in der Schule zu wählen. 

Die Petition erinnert Präsident Macron daran, was er am 22. Januar 2019 bei Unterzeichnung des Elysée-Vertrags 2.0 in Aachen - in Anwesenheit von Zweierpasch - versprochen hat. Dort bestätigte er die entscheidende Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen in Sachen Bildung und Jugend mit der Absicht, neue Wege zu beschreiten ("le rôle décisif de l’éducation et de la jeunesse dans la relation franco-allemande et ouvre de nouvelles perspectives).

"Kein unlösbares Problem"

Rappen auch in Westafrika: Zweierpasch

Die Frontmänner von Zweierpasch, Träger des Adenauer-de-Gaulle-Preises, stehen voll und ganz hinter dem Anliegen. Seit Jahren setzen sie sich kreativ für die deutsch-französischen Beziehungen ein und geben gerappte Sprachworkshops auf beiden Rheinseiten und weit darüber hinaus. "Wir merken in unserer Arbeit deutlich, dass an vielen Schulen gegen das schwindende Interesse an der Sprache unserer Nachbarn gekämpft wird", sagt Till Neumann. Er ist überzeugt: Das ist kein unlösbares Problem: "Bei unseren zweisprachigen Konzerten und HipHop-Workshops sehen wir immer wieder, wie das Feuer brennt für Deutsch oder Französisch, wenn man tiefer eintaucht und Spaß daran hat." 

Felix und Till Neumann arbeiten Jahr für Jahr mit mehreren tausend Schüler:innen auf zwei Sprachen. Dafür haben sie ihre eigene Schule gegründet: Mit der Ecole du Flow eröffnen sie seit 2018 jährlich 1000 jungen Menschen die Möglichkeit, zweisprachig kreativ zu werden. "Wer an der Begeisterung für Fremdsprache bei jungen Menschen aus Deutschland und Frankreich zweifelt, ist herzlich zum Finale der Ecole du Flow eingeladen", sagt Felix Neumann. "Das nächste steigt im Frühjahr 2022 in Besançon." Nachwuchskünstler:innen werden dann beim mittlerweile größten deutsch-französischen HipHop-Wettbewerb eigene Songs auf zwei Sprachen performen.

Ein Drittel lernt mehr als eine Sprache

Auch in Deutschland gibt es Bewegung für die Förderung des Fremdsprachenunterrichts. So hat die Klett Akademie für Fremdsprachendidaktik - Sektion Französisch ein Positionspapier lanciert mit dem Titel "Für eine Stärkung der 2. und 3. Fremdsprachen". Der Grund: "In Deutschland lernt gut ein Drittel (34,5 %) der Schüler:innen zwei Fremdsprachen, das heißt Englisch und eine andere Fremdsprache." 

Damit liege Deutschland weit unter dem EU-Durchschnitt von 58,8 %, so die Klett Akademie. Sie stellt einen bitteren Trend fest: "In der gymnasialen Oberstufe sank der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die eine andere Fremdsprache als Englisch lernen, in den letzten zehn Jahren um mehr als 8 %." Dabei gebe es eine Vielzahl an Vorteilen von Mehrsprachigkeit. Unter anderem, dass "Bewerber:innen, die nicht nur Englisch beherrschen, in vielen Berufen bessere Chancen haben". Eine Forderung der Initiative ist, dass die 2. Fremdsprache spätestens in Klasse 6 mit mindestens vier Wochenstunden unterrichtet wird.

Das PDF gibt es hier zum Download: Positionspapier - Stärkung der 2. und 3. Fremdsprachen

"Keine Option, sondern Normalität"

Die deutsch-französischen Musiker Felix und Till wohnen selbst direkt an der Grenze (Kehl/Strasbourg, Freiburg) und finden das Anliegen wichtig: "Wir merken immer wieder, was ein riesiger Trumpf es ist, mehrere Sprachen zu sprechen", betonen die HipHop-Musiker. Das eröffne viele berufliche und private Wege über Grenzen. 

"Bei unseren Tourneen durch Asien, Afrika oder Europe jonglieren wir oft mit Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch", berichtet Till. Ohne das sei ihr Job so nicht möglich. Die Zwillinge sagen: "Je früher man anfängt mit mehreren Sprachen desto besser." Für sie ist das Lernen und Sprechen mehrerer Sprachen keine Option, sondern Normalität im 21. Jahrhundert: "Mehrsprachigkeit ist Standard und Pflicht in unserer vernetzten globalen Welt." Wer das nicht fördere, lebe auf einem anderen Planeten. 

Ihr aktuelles Album "Un peu d'Amour" mit Songs wie "Lichter" oder "Fessengau" zeigt, wie kreativ und kunstvoll Sprachen verfließen und Grenzen überwunden werden. Mit dem Einheits-Track Grenzgänger-Frontalier haben die beiden mit ihrer Band schon vor Jahren klargestellt, wohin die Reise geht: Grenzenlos über Grenzen.

Talk zum Thema: Zweierpasch sprechen mit MdB Franziska Brantner über ihre Forderung | 29.04.21, 17h00, Instagram Live
Facebook-Post zum Thema: "Frankreich, was da los?"
Presseecho: Eurojournalist (22.03.21) | Mittelbadische Presse (07.04.21)
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                                                            Zweierpasch - Fake (Official One Take Video)

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