Dienstag, 20. August 2019

fillthebottle: die Band Zweierpasch und Helfer sammeln 15.000 Kippenstummel

Die Jäger und ihre Beute: Die fillthebottle-Crew aus Freiburg nach einer Stunde sammeln.
Foto: Peter Herrmann
Der Instagram-Trend #fillthebottle hat Deutschland erreicht: Rund 15.000 Kippenstummel sammelten Freiwillige bei den ersten zwei Aktionen in Deutschland. Mit Mitstreitern lasen die Initiatoren Felix und Till Neumann von der World HipHop-Band Zweierpasch in ihren Heimatstädten Freiburg und Kehl Tausende Stummel vom Boden. Sie wollen damit auf achtlos weggeworfene Kippen aufmerksam machen.


Initiator Felix Neumann bedankt sich
Eine Stunde lang schwärmten die Bottle-Filler am Montagabend durch die Freiburger Innenstadt, um Kippenstummel in Plastikflaschen zu sammeln. Die Idee dahinter ist die Instagram-Challenge "fillthebottle". Sie stammt aus Frankreich und besteht darin, in einer Stunde maximal viele Zigarettenstummel in einer Plastikflasche zu sammeln. Das Ergebnis wird auf Instagram gepostet, um auf das Problem giftiger Zigarettenreste aufmerksam zu machen.

Gibt's in der Green City Freiburg wirklich so viele Raucher? Das fragten sich die 15 Sammler vor ihrer Aktion. Die klare Antwort: Ja. "Vor dem Stadttheater, am Campus, im Colombipark oder sogar in den hochheiligen Bächle" hätten wir noch Stunden weitersammeln können", sagt Till von Zweierpasch. Er selbst war im Colombipark unterwegs. "Überall liegen Kippenstummel, es ist schockierend", sagt der zweisprachige Künstler. Seine 1,5 Liter-Flasche war nach rund 40 Minuten mit rund 1100 Stummeln gefüllt. Das Schlimme dabei: "Die Stummel liegen meist da, wo sie am wenigsten hingehören: In Parks und Grünanlagen - oft auch direkt neben Mülleimern."

Andere Sammler machten das Gebiet rund um die Uni als Hotspot aus. Eine Teilnehmerin entdeckte eine "Goldgrube" am Stadttheater. "Ich kam gar nicht richtig zum Sammeln, weil mich dauernd neugierige Passanten angesprochen haben", berichtet die 31-Jährige. Ihre Flasche war nach einer Stunde ebenfalls randvoll.

Das Sammeln steckt an. "Mich hat fast eine halbe Stunde lange eine Frau begleitet, die total begeistert war von der Aktion", erzählt Felix, der auch am Freiburger Münster war. Selbst am Startplatz, dem Platz der Alten Synagoge, stiegen nach wenigen Minuten weitere Freiwillige ein (siehe Facebook-Fotoalbum zur Aktion).

Teilnehmer mit der ersten Ernte nach fünf Minuten
Die Idee, fillthebottle nach Deutschland zu bringen hatte Felix Neumann, der in Kehl lebt. Er entdeckte die Aktionen auf Instgram. In seiner Heimatstadt hat er mit 14 Mitstreitern vergangene Woche die erste Aktion in Deutschland gemacht. Sie sammelten in einer Stunde 5500 Zigarettenstummel. "Die Reaktionen bei Bürgern, Politik und Teilnehmern waren überschwenglich", sagt Felix. Sie sind zum Eisessen und in ein Restaurant eingeladen worden.

"Das Sammeln macht nicht nur mega Spaß, es ist einfach auch wichtig", betont Felix. Denn Zigarettenstummel sind hochgiftiger Müll, der nicht in die Natur gehöre. Sie brauchen 15 Jahre, bis sie verrotten. Im Nachgang zur Challenge gab es Signale aus dem Gemeinderat Kehl, wo eine Erhöhung der Bußgelder für achtloses Zigarettenwegwerfen eingebracht werden soll.

Fill The Bottle: Letzte Etappe

Rund zwei Drittel aller Zigaretten landen laut WHO in der Natur oder auf der Straße. So werden weltweit allein 4,5 Billionen Kippen pro Jahr achtlos weggeworfen. Auch in Freiburg, wie die Aktion gezeigt hat. Mitgemacht haben Rentner, Schüler, Studenten, Berufstätige, Künstler und Mitglieder der "Grünen" in Freiburg. Ein klares Signal, dass das Thema nicht nur junge Instagramer was angeht.

Fortsetzung folgt? "Wir würden sehr gerne eine dritte Aktion starten", sagen Till und Felix. Nach einer kurzen Sommerpause geht's an die Planung. Sie hoffen auch auf Nachahmer aus anderen Städten. Zahlreiche Interessenten haben sich schon bei ihnen gemeldet. Darunter auch der Finanzbürgermeister Freiburgs.

Eine Idee, die das Problem angehen könnte: Tippen mit Kippen. 20 Boxen sollen in Stuttgart vor Clubs angebracht werden, um Raucher damit abstimmen zu lassen. Gestellt werden sollen Fragen wie: Ich gehe nach Stuttgart zum: Shoppen oder Schmausen oder zum Tanzen oder Talken. Ein Vorhaben, das in Kehl konkret werden könnte. Dort ist das Team um Felix Neumann schon angefragt worden, ob es bei der Auswahl der Kästen mithelfen möchte.

Ein weiterer Ansatz, der die Runde macht: Pfand auf Zigaretten. Ein Berliner hat dazu eine Petition gestartet, die bisher rund 61.000 Menschen unterschrieben haben. 20 Cent Pfand soll es pro Zigarette geben, wer die Kippen gesammelt zurückbringt, bekommt das Geld wieder. "Ein guter Ansatz", sagen Felix und Till. Sie haben unterschrieben und sagen: "Wenn sich auf unserem Planeten etwas ändern soll, dann beginnt der Wandel bei uns selbst." Jeder könne etwas tun. Und damit andere mitziehen - wie eben die fillthebottle-Challenge, die mittlerweile quer durch die Republik die Runde macht. Radiosender, Zeitungen und Online-Plattformen berichten flächendeckent. Rund 10 Interviews haben die Brüder bisher gegeben. Unter anderem für den Deutschlandfunk, die Zeit oder die dpa.

Für Zweierpasch ist ihr Aktivismus eine "Rebellion von unten". Immer wieder sind sie bei Demos und Straßenaktionen mit von der Partie. In Worte und Töne haben sie ihr Engagement in ihren neusten Songs gefasst. Auf dem Album "Un peu d'Amour", das am 29. November über Jazzhaus Records erscheint, liefern sie kritische Statements zu vielen politischen Brandherden. Aber auch poetisch-funkelnde Momente voller Optimismus und Tiefgang. Ihr Aufruf dabei: Wenn jeder ein bisschen Liebe (Un peu d'Amour) mit anderen teilt, wäre schon viel gewonnen.

Pressefotos


Bilder von den Aktionen in Kehl und Freiburg zur freien Verwendung gibt es hier: Pressefotos Zweierpasch - fillthebottle (bitte Credits in den Dateinamen beachten!)

Weitere Bilder zu Zweierpasch gibt's hier: Fotos Zweierpasch

Presse-Berichte

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