Mittwoch, 13. November 2013

Zweierpasch auf Bellevue - die Story


Foto: Timmy Hargesheimer

Zweisprachiger HipHop „öffnet Türen“ in Schloss Bellevue

Berlin. „Wir überschreiten Grenzen, grenzenlos über Grenzen / on dépasse les frontières, on fait tomber des barrières“, rappen Felix und Till Neumann im Großen Saal von Schloss Bellevue in Berlin. Nur 20 Meter entfernt von den Freiburger Zwillingsbrüdern sitzt Bundespräsident Joachim Gauck. Gespannt lauscht er der Musik der deutsch-französischen HipHop-Kombo, die von den drei Musikern der Band Khándroma (Cello, Gitarre und Cajón) begleitet wird. Viele der 200 Gäste im Saal heben ihre Arme oder klatschen im Takt. Am Ende des Songs gibt es begeisterten Applaus.

Rahmen des Konzerts am Mittwoch ist die Preisverleihung eines Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. Dabei haben Schüler aus Polen, Frankreich und Deutschland zum Thema „Nachbarn“ geschichtliche Themen erarbeitet. Die zweisprachigen Lieder des Zweierpaschs passen somit perfekt. Die Anfrage zum Auftritt kam von der Körber-Stiftung aus Hamburg, die den Geschichtswettbewerb schon seit 40 Jahren organisiert.

Foto: Körber-Stiftung
„Wahnsinn! Dass wir mal auf Schloss Bellevue rappen, hätte ich nicht gedacht“, schwärmt Till nach dem Konzert. Mit seinem Bruder hat er mit Musikprojekten zwar schon so einige Städte in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und sogar Westafrika bereist – vor einem Staatsoberhaupt hat er aber noch nicht gespielt. „Das ist schon eine große Ehre für uns – und eine Bestätigung, dass unsere Appell zu mehr grenzüberschreitender Zusammenarbeit ankommt“, ergänzt Felix. Als ihn einer der Veranstalter fragt, ob dieses Konzert eigentlich noch zu toppen sei, kommt die Antwort prompt: „Wir arbeiten grenzüberschreitend, als nächstes wollen wir natürlich in den Elysée-Palast in Paris.“

Vor dem Konzert gab es sogar ein kurzes persönliches Gespräch mit dem Bundespräsidenten. Im Empfangssaal von Schloss Bellevue nahm er sich einige Minuten Zeit, um mit den Musikern zu sprechen. „Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, ihm unser aktuelles Album zu überreichen ­- handsigniert“, berichtet Felix. Sogar für ein kurzes gemeinsames Foto nahm sich Joachim Gauck Zeit.

Die weite Anfahrt aus Freiburg hat sich für die 30 Jahre alten Zwillingsbrüder gelohnt. Sie konnten zwar zur musikalischen Begleitung der Feier nur zwei Songs spielen, doch diese Reise werden sie so schnell nicht vergessen. „Das war schon beeindruckend, in so einem Ambiente zu spielen“, sagt Felix, der studierter Politologe ist. „Davon erzählen wir noch unseren Enkelkindern.“

Unter den funkelnden Kronleuchtern von Schloss Bellevue gab es nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung Häppchen und Drinks. Auf dem Silberbesteck, mit dem die edlen Snacks vertilgt wurden, war der Bundesadler eingraviert“, erzählt Till, der als Redakteur bei einer Tageszeitung arbeitet. Doch der krönende Abschluss des Tages für die zwei lyrischen Grenzgänger war nicht kulinarischer Natur. „Nach dem Konzert kam Joachim Gauck noch einmal persönlich zu uns, um sich zu bedanken“, berichtet Till. „Herr Gauck hat uns gesagt, dass ihm die Musik sehr gut gefallen hat. Musik sei bei solch eher wortlastigen Veranstaltungen wichtig, um „Türen zu öffen““. Für die Freiburger Rapper haben sich an diesem Tag nicht nur Türen geöffnet – sondern Tore. Es waren die zu Schloss Bellevue, dem Amtssitz der deutschen Bundespräsidenten.

Kommentare:

  1. Hi, gerade gehört bei Radio Fritz in Berlin!
    Sehr cool was ihr macht.
    Liebe Grüße von alten Bekannten aus dem UZH :)
    Agata & Tim

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